Schnürsenkel

2010
0613

Eine Frau, ein
platter Reifen, eine
Krankheit, eine Sehnsucht;
Ängste, die einem den Weg
verbauen; Ängste, die so still
halten, daß man sie studieren kann
wie Figuren auf einem Schachbrett…
Es sind nicht die großen Dinge,
die einen Menschen ins
Irrenhaus bringen. Auf den Tod
ist man gefaßt, auf Mord,
Inzest, Raubüberfall,
Feuer, Überschwemmung…
Nein, was einen ins Irrenhaus bringt,
ist die nie abreißende Serie
von kleinen Tragödien…
Nicht der Tod eines
geliebten Menschen,
sondern ein Schnürsenkel
der reißt, wenn man eh schon
zu spät dran ist…
Der Schrecken in diesem Leben,
das ist dieser Wust von
trivialen Dingen, die all-
gegenwärtig sind und einen
schneller erledigen können
als Krebs –
Nummernschilder oder Steuern
oder Führerscheinentzug
oder heuern und feuern,
austeilen oder einstecken müssen
oder Verstopfung
Strafzettel
Rachitis oder Grillen oder
Mäuse oder Termiten oder Kakerlaken
oder Fliegen oder ien kaputtes Spring-
rollo oder kein Benzin mehr
oder zuviel Benzin;
der Ausguß ist verstopft und der
Hauswirt ständig besoffen;
der Präsident kümmert sich
um nichts, und der Gouverneur
hat sie nicht mehr alle;
der Lichtschalter bricht ab,
auf der Matratze liegt sich´s wie
auf einem Stachelschwein,
$105 für Zündkerzen Vergaser und
Benzinpumpe bei Sears Roebuck,
und die Telefonrechnung ist
fällig und die Wirtschaft
in der Flaute und die Kette
von der Klosettspülung ist ab,
und sämtliche Lichter
sind futsch-das Flurlicht,
das vordere Licht, das hintere
Licht, das innere Licht; es ist
dunkler als in der Hölle
und doppelt so teuer.
Und dazu immer wieder
Milben und eingewachsene
Fußnägel nd Leute, die
darauf bestehen, sie seien
deine Freunde.
Das, und Schlimmeres;
tropfende Wasserhähne, Weihnachten
und der Weihnachtsmann, blaue Salami,
9 Tage Regen, Avocados für
50 Cents das Stück und
violett angelaufene
Leberwurst

Oder sich über die Runden quälen
als Kellnerin bei Norm´s in der
Doppelschicht, oder Bettpfannen
leeren, Autos waschen, den Bus-
schaffner mimen oder alten Omas
die Handtasche entreißen und sie
kreischend stehenlassen auf dem
Bürgersteig, mit gebrochenem
Handgelenk und 80 Lebensjahren;
plötzlich im Rückspiegel zwei
Blaulichter entdecken,
und Blutflecken in der
Unterhose;
Zahnschmerzen, und $ 979 für eine
Brücke, und $300 für einen
Goldzahn; und China und
Rußland und Amerika und langes Haar
und kurzes Haar und überhaupt kein
Haar, und Bärte und keine Gesichter
und jede Menge Zigarettenpapier,
aber kein Pot, höchstens einen
Pott zum Reinpissen und vielleicht
noch einen Schmerbauch dazu.

Jeder hundertste gerissene Schnürsenkel
bringt wieder einen Mann, eine
Frau oder sonst was ins

Irrenhaus.

Also seht euch vor,
wenn ihr euch
das nächste Mal
bückt.

Charles Bukowski – Schnürsenkel | thnx max

newsletter

2010
0602

sie erhalten diesen newsletter, weil sie ihn sich verdient haben.
sollte dem nicht so sein, antworten sie mit dem betreff “ich lass mir doch nicht vorschreiben, was ich in den betreff zu schreiben habe”. ihre adresse wird dann umgehend aus dem verteiler entfernt. für immer.

Reeto

Zeugen Helveticas

2010
0501

Zeugen Helveticas: Grafiker.

auch gut im kontext:

Die zwei sahen aus wie ganz normale junge, schlanke Männer. Maschinenkurze Haare. Propere dunkelblaue Pullis. Jeans. Helle Turnschuhe. Ich dachte: Zeugen Helveticas: Grafiker.

Max Küng

Olivier Zahm

2010
0311

The problem in fashion is not that you copy, it’s how do you copy and what do you copy and how do you mix different copies…All the clothes have been made and made and made and made. They are just remade and remade and remade.

I need art in my life as much as I need food, but the most beautiful thing on earth is to meet a woman. That’s what you will remember at the end of your life, right? Plus, it’s a game. It’s really funny. You can’t seriously consider yourself a playboy, or you’re already a bad playboy.

Olivier Zahm in The Future Of Fashion

Lebensarbeitszeit

2010
0311

Nichts regt an, nichts regt auf, und wie es in solchen Fällen halt ist: Der Eindruck, es hätten ein paar begabte Menschen Lebensarbeitszeit verschwendet, ist schnell entstanden.

quote of the week, Christoph Schneider

1000 dull sneaker shots

2010
0310

I only own about 30 photos They’re duplicates from an NYC trip in 2003 that someone else took. That plus a G9 with 1000 dull sneaker shots.

Gary Warnett

Sinnlose Demonstration der Macht

2010
0308

Die Minibar ist ein teures Vergnügen, genau wie eine psychoanalytische Sitzung. Die Minibar ist die Wiederholung einer autoritären psychoanalytischen Formel. Daher der strenge Ton am Empfang, das Schnüffeln in der Minibar in Ihrer Abwesenheit, daher auch die gerechte Wut auf diese sinnlose Demonstration der Macht.

eine schöne ode auf/an die minibar.
Dubravka Ugrešić – Angriff auf die Minibar

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